Handeln

verfasst von Prof. Dr. H. Geißler  am 19. 07. 2022

Handeln ist die Grundform menschlichen Daseins, mit der wir die Beziehung zu unserer Umwelt regeln. Zu dieser Grundform gibt es keine Alternative. Diese Erkenntnis formulieren Watzlawick et al. (1969) in dem kommunikationstheoretischen Axiom, dass man sich nicht nicht-verhalten könne. Entsprechend kann man sagen: Man kann nicht nicht-handeln. Die Frage ist nur, wie man handelt. Besonders wichtig ist dabei die Beziehung des Handelns zum Denken. Hier bieten sich zwei Möglichkeiten an, die für Coaching sehr wichtig sind, nämlich rationales und intuitives Denken. Je nachdem, welche Verbindung bevorzugt wird, liegt rationales oder intuitives Handeln vor.  

In der altgriechischen Philosophie von Aristoteles, die auch die Philosophie unserer Neuzeit bestimmt, werden zwei grundlegende Formen des Handelns unterschieden, die für die aktuelle Soziologie (z.B. Habermas 1981) besonders wichtig sind, nämlich sozialtechnologisches und praktisches Handeln

Ersteres ist ein Handeln, das auf vorliegende Ziele ausgerichtet ist, die mithilfe geeigneter Mittel und Verfahren möglichst gut zu erreichen sind. Es vollzieht sich deshalb im Modus einer Objektreferenzialität bzw. Zweckrationalität. bei der die persönliche Sinnhaftigkeit und gesellschaftliche Legitimität der jeweiligen Ziele wird dabei nicht reflektiert.

Genau das jedoch ist eine zentrale Herausforderung des sogenannten praktischen Handelns, das auf die Ermittlung und Wahrnehmung von Verantwortung ausgerichtet ist und sich deshalb im Modus der Subjektreferenzialität bzw. Wertrationalität vollzieht.

Beide Modi des Handelns benötigen bestimmte psychische Voraussetzungen. Diese werden unter dem Stichwort der Handlungsregulation vorgestellt.

Diese Unterscheidung ist für Coaching von grundlegender Bedeutung. Denn Coaching muss zum einen auf Ziele und Erfolge ausgerichtet sein und muss deshalb geeignete Coachingmethoden bzw. psychische Problemlösungsmedien entsprechend nutzen. Zum anderen muss aber auch sichergestellt werden, dass diese Ziele sinnvoll und ethisch begründet sind.

 

Literatur

Habermas, J. (1981). Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 1 und 2. Frankfurt/M.: Suhrkamp

Watzlawick, P., Beavin, J.H. & Jackson, D.D. (1969). Menschliche Kommunikation. Bern u.a.: Hans Huber Verlag