Imaginationsarbeit

verfasst von Prof. Dr. H. Geißler  am 20. 07. 2022

Imaginationen sind mentale, d.h. kognitive und emotionale Prozesse, die Phantasien möglicher - wünschenswerter oder befürchteter - Geschehnisse beinhalten. Diese können sich auf die Vergangenheit und/oder Zukunft beziehen und werden wie in einem Film so erlebt, wie faktische Geschehnisse, an die man sich erinnert.

Imaginationsarbeit, also die Anleitung von Imaginationen ist in der ersten und letzten Coachingphase sinnvoll, also bei der Zielklärung und bei der Umsetzungsunterstützung der bereits entwickelten Lösungsstrategie.

Bei der Zielklärung ist es sinnvoll, mit der Wunder-Frage zu arbeiten, also die Coachees zu bitten, sich vorzustellen, dass ein Wunder geschehen ist, sodass alles das Wirklichkeit geworden ist, was die Coachees als Coachingziels ins Auge gefasst haben.

Bei der Umsetzungsunterstützung hingegen sind Erfolgsimaginationen sinnvoll. In diesem Sinne werden die Coachees angeregt, sich wie in einem Film an eine erfolgskritische Situation ihres Praxisalltags zu denken und sich vorzustellen, dass es ihnen in dieser Situation perfekt gelingt, die zuvor erarbeiteten zielführenden Aktivitäten umzusetzen, und zwar mit einem extrem guten Erfolg.

Die so vollzogenen Erfolgsimaginationen wirken genauso wie Erfolgserinnerungen. D.h. genauso wie diese bewirken sie eine Konditionierung derjenigen mentalen Aktivitäten, die sich als besonders erfolgreich erwiesen haben. 

Auf diese Weise wird es - Bezug nehmend auf Erkenntnisse der behavioristischen Lernpsychologie - möglich, diejenigen lebensgeschichtlich entwickelte Affekte der Coachees, die bisher eine erfolgreiche Erreichung des Coachingziels verhindert oder behindert haben, gezielt umzukonditionieren.

 

 

Literatur

Geißler, H. (2018). Organisationspsyhologie III - Grundlagen Coaching. Was ist Coaching? Hamburg: Hamburger Fern-Hochschule