Hypnosystemisches Online-Coaching

verfasst von Prof. Dr. H. Geißler  am 14. 04. 2023

Hypnosystemisches Online-Coaching ist darauf ausgerichtet, Coachees aus der mentalen Fixierung auf ihre Probleme zu lösen und diese Problemtrance durch eine Lösungstrance zu ersetzen (Schmidt 2004). Zu diesem Zweck werden die quasi magischen Kräfte digitaler Problemlösungsmedien genutzt, um die Aufmerksamkeit der Coachees zwischen rationalen und intuitiven Problembearbeitungsprozessen (d.h. emotionalen Erfahrungen, Imaginationen und Gefühls- und Körperwahrnehmungen) zirkulär zu hin und her zu pendeln zu lassen. 

Eine solche Aufmerksamkeitslenkung hat eine hypnotische Wirkung. Die Grundlage hierfür ist die Vorannahme des Konstruktivismus, dass alle Vorstellungen über die Welt und über uns selbst keine Wirklichkeitsabbildungen sind, sondern mentale Konstruktionen.

"Systemisch-konstruktivistisches Denken" geht deshalb davon aus, dass unser Denken, Fühlen und Handeln mental konstruiert, d.h. dass es auf der einen Seite das Ergebnis rational-objektreferenziellen Denkens ist und auf der anderen Seite das Produkt intuitiv-subjektreferenziellen Denkens in Form von Imaginationen. Diese werden als "Innere Filme" erlebt, die sich auf das beziehen, was in der Vergangenheit wirklich passiert ist, auf das, was in der Vergangenheit hätte passieren können oder sollen, und auf das, was in der Zukunft passieren könnte oder sollte.

Wenn wir uns derartige "innere Filme" immersiv anschauen, d.h. wenn wir das, was wir das sehen, wie die Wirklichkeit erleben,  sind wir in einem Prozess, den Milton Erickson - der Begründer der Hypnotherapie - als (Selbst)Hypnose bezeichnet. Indem wir diese "inneren Filme" anschauen und das erleben, was wir da sehen, konstruieren wir unsere Wirklichkeit. 

Diese "inneren Filme" und die durch sie produzierte Problem- oder Lösungs-Trance lassen sich gut mithilfe von 3D-visuellen digitalen Coaching-Tools visualisieren, die Avataren in virtuellen Welten anbieten. 

Eine solche Visualisierung lässt sich mit Körperarbeit verbinden, in der die Coachees angeleitet werden, zu den somatischen Markern ihrer Körperwahrnehmung hinzuspüren. Denn in ihnen offenbart sich die Weisheit ihres Körpers.

Das alleine aber ist nur die Hälfte dessen, was mit hypnosystemischen Online-Coaching gemeint ist. Denn das Anschauen und lebensmäßige Eintauchen in die "inneren Filme" muss ergänzt werden durch ihre rationale Betrachtung und Analyse. In diesem Zusammenhang erweisen sich textbasierte Coaching-Tools mit Coachingfragen hilfreich, die den Coach-Coachee-Dialog vorstrukturieren und von den Coachees schriftlich beantworten müssen.

 

Literatur

Schmidt, G. (2004). Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten. Heidelberg: Carl Auer Verlag